Der Autor …. und wie ich zum Schreiben kam

Mit vierzehn schrieb ich meinen ersten Roman. Na ja, vielleicht war es eher eine Novelle – eine kurze Novelle. Nein, es war eine Kurzgeschichte. Handschriftlich auf gerade mal zwölf Seiten. Der Stoff: ein Kavalier meiner älteren Schwester, der sich in geradezu alberner Weise um sie bemühte. Sein ritterliches Gebaren hatten bei mir Verwunderung ausgelöst. Zugleich war das Schauspiel seiner Balztänze aber auch irgendwie anrührend gewesen. Sein Gewinsel und meine Verwirrung mussten für die Welt festgehalten werden. Also schrieb ich.

Das Schreiben hatte mir gefallen. Vor allem, weil ich das Kindsein nicht mochte und ich mich mit dem Schreiben dem Erwachsensein näher fühlte. In meiner Phantasie stieß ich weiter vor in die Erwachsenenwelt und malte mir meine Rollen als Autor aus. Aber nicht als Galan – flache Charaktere lösen keine Aufmerksamkeit aus. Mein Leben als Schriftsteller würde Dramatik haben – und Attribute wie Sehnsucht nach Erfolg und nach Anerkennung aufweisen. Zugleich war ich mir sicher, dass Existenzängste und Leid, aber auch Verruchtheit und Zügellosigkeit meinen Weg begleiten würden. Wenn das keine Aussichten waren?

Und welche Profession hätte diese Vision besser widergespiegelt, als eben die schreibende Zunft? Ich sah sie vor mir: Keine kuriosen Gestalten wie den armen Poeten, sondern die getriebenen Kerle. Sie sitzen nachts nach vorne übergebeugt über ihrer klapprigen Schreibmaschine (PCs und Laptops gab es noch nicht), verzweifelt – ihre Schreibblockade huldigend. Auf windigen Stühlen, in heruntergekommen Absteigen hocken sie, bei schwacher Beleuchtung. Die Zigarette im Mundwinkel. Die Whiskyflasche fast leer. Der Deckenventilator quirlt behäbig klebrige Luft. Währenddessen langweilt sich im Hintergrund eine spärlich bekleidete Blondine, Brünette oder Rothaarige und wartet vergeblich darauf, ihren verzweifelten Liebsten für ein paar Stunden trösten, erlösen zu dürfen.

So sah ich mich – damals. Allerdings waren mir damals, mit vierzehn, noch nicht allzu viele Worte eingefallen. Ich legte mein erstes Manuskript in mein Regal, um später daran weiterzuarbeiten. Dort blieb es liegen – lange, bis es irgendwann verschwunden war. Damit war meine erste literarische Schaffensphase erschöpft – erloschen. Jahre später fand ich das Elaborat wieder. Meine Mutter hatte es aufbewahrt, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Mein Drang zu schreiben, nach Ausdruck und Sprache – danach Geschichten zum Leben zu erwecken, meldete sich wiederkehrend – und ab einem gewissen Zeitpunkt in immer kürzeren Abständen. Aber mir fehlte die Zeit. Schließlich nahm ich mir die Zeit, setzte ich mich hin und fing an, meinen ersten Roman zu verfassen. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis ich meinen Beruf an den sprichwörtlichen Nagel hängte und begann, mich ganz dem Schreiben zu widmen.

Und heute: An verschiedenen Stellen zuhause liegen kleine Blätterstapel mit einem Stift. Damit halte ich Ideen schnell fest. Solange ich das nicht tue, sind meine Gedanken belegt. Morgens wache ich auf und freue mich aufs Schreiben – und darauf die Notizen von den Zetteln einfließen zu lassen, die kleinen Zettel zu erlösen.

Schreiben ist mir ein innerer Drang. Es ist ein Drängen, ein Drängeln von Worten die aufs Papier möchten – von Geschichten, die erzählt werden wollen. Das Leben, die Welt, sind voll von Ereignissen – voller tragischer, komischer, erschreckender, anrührender, unverständlicher, sprachlos machender, entsetzlicher, überraschender, geheimnisvoller, sprühender, lauter und leiser, kleiner und großer, wunderschön-unwichtiger und bedeutender Begebenheiten. Davon ein wenig einzusammeln, zu verweben, ist pure Freude, ein Vergnügen und ein Geschenk.